Hoyerswerda 2003 - 2004, Farbnegativ, 6 x 7 cm

Mit dem Namen "Hoyerswerda" wird heute meist das Stichwort "rechtsradikale Hochburg" verbunden. Der Name der Stadt steht gleichzeitig für eine Plattenbauweise der ehemaligen DDR. Neben einem alten Ortskern wurde seit den 50er bis in die 80er Jahren hinein eine sozialistisch Planstadt mit den dazugehörenden Versorgungseinrichtungen gebaut, um die Beschäftigten des ehemaligen Braunkohleveredlungswerkes "Schwarze Pumpe" unterzubringen. Hoyerswerda galt einst als kinderreichste Stadt der DDR, vor allem junge Familien lebten hier, die Wohnungen waren modern - mit Zentralheizung und fliessend warmen Wasser - und der Verdienst in der Braunkohle überdurchschnittlich hoch. Vom Busbahnhof fuhren täglich hunderten Menschen im "Drei-Schicht-Dienst" ins Werk. Die gesamte Infrastruktur war auf einen reibungslosen Produktionsablauf ausgerichtet. Doch die in Betonplatten festgeschriebenen Normen der ehemaligen DDR lassen auch die Konflikte ahnen - Hoyerswerda war die Stadt der DDR mit der höchsten Selbstmordrate.

 

2003 und im Laufe des Jahres 2004 habe ich mehrfach vor Ort fotografiert. In Hoyerswerda begenete mir nur 15 Jahre nach der Wende die Leere und Ödnis einer sozialistischen Planstadt, die mit der Deindustrialisierung Ostdeutschlands ihre Daseinsberechtigung verloren zu haben scheint. Wer einen Job oder Ausbildungsplatz sucht, muss heute die Stadt verlassen. Knapp 15 Jahre nach dem Mauerfall leben hier von den ehemals 72.000 noch knapp 40.000 Menschen. Tendenz: stark fallend. Zurück bleiben die Alten. Die Erbauer dieser riesigen Wohnmaschine hatten nicht damit gerechnte, dass deren Motor je ausfallen könnte.